Weltweit ist der Knochen eins der ersten Werkzeugmaterialien des Menschen gewesen. Seit der Steinzeit wurde und wird weltweit am Knochen geschnitzt. In den meisten Kulturen fristet dieses wundervolle Material ein Dasein im Abseits. Meistens wird der Knochen nur für die Wiedergabe uralter Traditionsobjekte verwendet. Ein besonderes Augenmerk in Sachen Knochenschnitzen gilt den Chinesen, aber auch den Germanen und Kelten unserer Region, sowie halt allen anderen Kulturkreisen.
In Neuseeland hat sich diese Technik jedoch wesentlich lebendiger gehalten, als vielerorts. Heute ist das neuseeländische bone carving zu einer eigenständigen und modernen Kunstform geworden.
In der Vergangenheit benutzten die maoris die Knochen gestrandeter Wale, sowie Moaknochen als Material. Mit den Europäern kam der Rinderknochen. Dieser ist in vielen Punkten besser geeignet, aber auch häufiger zu bekommen (der Moa ist bereits ausgestorben). Die wenigen Walknochen die der Strand freigibt sind sehr wertvoll und werden meistens für rituelle carvings verwendet. In Deutschland ist der Besitz von Walknochen (auch die gestrandeter Wale) auch nicht erlaubt.


1. Als Material dient die Röhre der Beinknochen (Das Stück zwischen den beiden Einzeichnungen- hier der Oberschenkelknochen eines Schafs).
2.

Als erstes säge ich die Röhre aus dem Beinknochen heraus. Danach muss die Röhre vom Knochenmark befreit werden und wird anschliessed entfettet (hierbei hat scheinbar jeder Knochenschnitzer sein eigenes Geheimnis).

 

3.

Aus der Form des Knochens säge ich "Chips". Dies bedeutet, dass ich die einzelnen planen Flächen die der Knochen mir bietet heraussäge. Erst dann begucke ich mir diese Teilstücke und suche die Formmöglichkeiten, die der Knochen mir bietet. Nun zeichne ich die Form auf.

4. Die grobe Form säge ich mit einer elektrischen Laubsäge aus dem Knochenstück heraus.
5. Auf der Schleifscheibe bearbeite ich die Aussenform.
6. Die innere Linienführung, sowie die Details arbeite ich mit der Fräse vor.

7. Danach sind noch mehrere Arbeitsgänge mit Messern, Schleifpapieren, Handfeilen und Schleifpasten von nöten, um dem Objekt den "letzten Schliff" zu verpassen.

 

Das fertige Objekt hat je nach Herkunft, Alter oder Behandlung einen mehr oder weniger gelbbraunen Farbstich. Es besteht die Möglichkeit, das Werkstück mittels Wasserstoffperoxid zu bleichen. In den häufigsten fällen erhalte ich allerdings die Tönung. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, den Knochen zu beizen. Das Verfahren ist sehr aufwendig. Ein bone carver aus Auckland verriet mir sein Geheimrezept. Ich wende dieses Verfahren so gut wie gar nicht an.
Knochen die aggressiven äusseren Einflüssen ausgesetzt waren (drei Monate Komposthaufen als Beispiel) marmorieren häufig in sehr beeindruckender Weise.
Die aufwendige mechanische wie chemische Behandlung während der Fertigstellung des Schmuckstücks lassen die Erinnerungen an diesen unerfreulichen Entstehungsabschnitt Gott sei Dank verwischen.

Ein paar Skizzen.

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